Sonntag, 6. März 2016

Idee zu verschenken

Ich habe mir heute mal den Spaß erlaubt, meine gesamten handschriftlichen Notizen zu sortieren. Manchmal habe ich nämlich keine Lust, den PC anzuwerfen und kritzele Szenen, Entwürfe, Dialoge etc. pp. ganz altmodisch auf Papier. 
Die schiere Menge, die dabei bereits zusammengekommen ist, hat mich dann doch ein wenig erstaunt - ebenso wie das, was ich dabei so alles noch gefunden habe.

Eines der Fragmente, die bei dieser Sortieraktion aus der Versenkung auftauchten, ist das untenstehende - es handelt sich dabei um den Anfang eines Projektes, zu dessen Ausführung ich nie gekommen bin. 
Das Projekt lief nach dem, was ich meinen Notizen entnehmen konnte, im FF.de-Forum unter dem Namen "Roadtrip", sogar die Vorgaben standen noch dabei.

Eigentlich gefällt mir die Idee auch immer noch ganz gut, aber da ich so viel anderes Zeug zu schreiben habe, hab ich mir gedacht, ich stelle sie einfach mal meiner treuen überschaubaren Leserschaft zur Verfügung.
Vielleicht kann der eine oder andere von Euch ja etwas damit anfangen, als kleines Entspannungsprojekt für zwischendurch. 

Falls sich nun tatsächlich jemand findet, der diesen Schnipsel adoptieren möchte (womit ich aber fast nicht rechne, wir haben ja alle viel um die Ohren), würde ich nur eine einzige Bedingung daran knüpfen: Ich will das Endergebnis lesen.

Von Vorteil ist es natürlich, die handelnden Personen schon zu kennen (wir ahnen, ich hab mal wieder meine beiden Lieblings-Super(natural)-Homies damit geärgert)... ansonsten ist völlig egal, was draus wird. Komödie, Action... Erotik (kommt schon, Corvus baggert ja nun wirklich ALLES an, was nicht schnell genug wegläuft)... begegnen sie auf ihrer Reise vielleicht Personen aus einer Eurer Geschichten...

Wie gesagt, ich rechne nicht damit, das wirklich jemand die Zeit findet, sich damit zu beschäftigen, ich weiß nur, dass ich für mein Teil in hundert Jahren nicht dazu kommen werde, die Idee weiter auszuführen.
Und darum steht sie jetzt hier.
Ja.

(Situation: Severin hat Besuch von einem Freund, dem Heiligen Martin von Tours. Laut Heiligenlexikon und diversen Legenden waren die beiden Bischöfe tatsächlich eng befreundet und der Heilige Severin soll in der Todesstunde Martins die himmlischen Gesänge der Engel vernommen haben, als diese dessen Seele gen Himmel führten. 
Im Übrigen ist der Gedenktag des Heiligen Martin der 11.11., zufällig auch der Tag, an dem in Köln, wo Severin residiert, traditionell die Karnevalssession eröffnet wird. Was lag also näher, als die beiden mal ausgiebig feiern zu lassen. Und wo in meinem Headcanon Severin ist, ist ein gewisser Finstervogel mit Hang zum Exzess auch nicht weit... Was zu einem ziemlich bösen Erwachen des anderen Heiligen führt...)

 * * *
 
„Was haben wir heute?“

„Den zwölften November?“

„Bitte keine Details... welches Jahrhundert?“

Kopfschüttelnd wandte sich Severin demjenigen zu, der diese Frage gestellt hatte und musste lachen.

„Wenn du wüsstest, wie beschissen du aussiehst, mein Lieber...“

Der junge Mann, dem man seine südeuropäische Herkunft deutlich ansah, auch wenn sein normalerweise dunkler Teint an diesem Morgen eher ins Gräuliche spielte, fuhr sich mit gespreizten Fingern durch die kurzen dunklen Locken und verzog schmerzerfüllt das Gesicht. Dann stemmte er sich von dem Sofa hoch, auf dem er eine kurze und nicht sonderlich erholsame Nacht verbracht hatte und trat vor den Spiegel. Der Anblick war nicht dazu angetan, ihn aufzuheitern.

„Ich hab's übertrieben, richtig?“

„Geringfügig. Möchtest du, dass ich's dir erzähle?“

„Ich bin mir nicht sicher... Kannst du mir die peinlichen Details ersparen?“

„Hm.“ Severin setzte eine gespielt nachdenkliche Miene auf und kratzte sich am Kopf. „das wird dann aber eine Kurzgeschichte...“

„So schlimm?“

„Ach was. Nein, so furchtbar war es jetzt auch nicht. Im Gegenteil war sogar alles völlig in Ordnung, bis Corvus aufgetaucht ist...“

„Ah, warte mal, das sagt mir was. Das war der große Typ mit dem Raben, richtig? Ich fand, der war ziemlich cool drauf.“

„Mhm, das hab ich gemerkt. Ihr habt euch so gut verstanden, dass ich mich gewundert habe, dass du nicht gleich bei ihm übernachtet hast.“

Der Heilige Martin - denn um diesem handelte es sich bei dem jungen Römer – riss erschrocken die Augen auf und starrte Severin an.

„Ich hab aber nichts... Dummes angestellt, oder?“

„Kommt darauf an, was du unter dumm verstehen willst. Du hast nichts mit ihm angefangen oder so, obwohl er dich zwischendurch ziemlich schamlos angebaggert hat. Aber du fandest es eine ganz großartige Idee, mit ihm zusammen in Urlaub zu fahren. Und weil mein lieber Freund Corvus ein ziemlich gutes Gedächtnis hat und so was wie das personifizierte Chaos ist, ist er vermutlich gerade unterwegs, um das Auto für die Reise zu organisieren“, schloss Severin mit unbewegter Miene seine Wiedergabe der nächtlichen Ereignisse.

„Ich habe... ich bin...warum hast du mich nicht davon abgehalten?“, jammerte der andere Heilige.

Severin schnaubte bloß. „Als ob du dich von irgendwas hättest abhalten lassen. Himmel, Martin, du warst so blau, dass wir dich schlussendlich tragen mussten.“

Der Heilige trat zum Fenster und warf einen Blick in die Tiefe. Dann fluchte er.

„Ach du Scheiße.“

Er fluchte nicht oft, es brauchte schon einiges, damit er sich dazu hinreißen ließ, auch nur im Ansatz vulgär zu werden. Dessen war sich Martin wohl bewusst und er trat mit gefurchter Stirn, grübelnd, was diesen Ausbruch wohl hervorgerufen haben mochte, neben den anderen Heiligen. Doch da war seiner Meinung nach nichts zu sehen, was den Anlass gegeben haben könnte.
Der Vorplatz der Kirche lag noch leer und verlassen in der Morgendämmerung, nichts rührte sich. Einzig ein schwarzer Kombi parkte ziemlich unorthodox vor dem Portal.

„Das kann der Blödmann doch wohl nicht ernst meinen...“

„Sprichst du von mir?“, erklang eine tiefe, raue und in Anbetracht der frühen Stunde geradezu widerwärtig fröhliche Stimme hinter den beiden Heiligen und ließ diese herumfahren.
Auftritt Rabenkönig in seiner ganzen zerfledderten Pracht und Herrlichkeit.

„Ja“, beschied ihm Severin trocken. „Wer außer dir würde auf die Idee kommen, einen solche dämlichen Plan auch noch in die Tat umzusetzen... und schleich dich nicht immer so an!“

„Hey, langsam, Mann Gottes... Der hübsche Junge da hat gesagt, er braucht Urlaub, also kriegt er ihn auch. Ich bin nur der Fahrer.“

„Das ist Gereons Wagen.“

„Weiß ich. Und?“ Corvus sah ein wenig verständnislos drein.

„Den wird er dir wohl kaum freiwillig geliehen haben.“

„Ähm. Doch.“

„Corvus...“

„Meine Fresse, der Doc ist mit seinem Weibchen unterwegs. Mit dem Zug. Bis er wieder da ist, hat er die Karre längst zurück.“

Severin seufzte. Lange. Und tief. Corvus war sich anscheinend keiner Schuld bewusst. Wie so oft.

„Wie oft muss ich dir noch erklären, dass du dir nicht einfach nehmen kannst, was du willst, nur weil es zufällig herumsteht....Und außerdem...“ Ihm war just etwas aufgefallen, das der Trickster vor ein paar Sekunden gesagt hatte. „Was soll das heißen, du bist nur der Fahrer? Du hast doch nicht einmal einen Führerschein.“

„Nee. Und, wo ist das Problem? Dafür kann ich das Ding doch trotzdem fahren...“

„Zu Schrott vermutlich. Am besten noch mit uns drin. Danke, ich verzichte auf dieses Abenteuer.“

„Du kommst natürlich mit. Irgendwer muss doch auf mich aufpassen – du behauptest doch immer, ich könnte das nicht alleine... Kannst du eigentlich Autofahren, Martin?“

Der andere Heilige, der sich bisher sehr bewusst im Hintergrund gehalten und versucht hatte, unsichtbar zu werden, zuckte zusammen, als sein Name fiel. „Ich … äh... ich kann reiten.“

„Oh, das ist schön für dich und freut die Weiber vermutlich sehr – oder stehst du mehr auf Jungs? -, aber das beantwortet nicht...“

„Er redet von Pferden, du Depp.“

„Oh.“ Für einen Augenblick wirkte Corvus tatsächlich ein wenig irritiert. „Also... das... ist selbst für mich ein wenig...“

„Du willst es einfach falsch verstehen, oder?“

„Was gibt es da denn falsch zu verstehen?“

Severin verdrehte die Augen und streckte die Hand nach den Autoschlüsseln aus, die unschuldig von Corvus' Finger baumelten.
„Ob du es glaubst oder nicht, aber es geht nicht immer... darum. Und jetzt gib her, bevor ich's mir anders überlege...“

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