Freitag, 1. Juli 2016

Update...Update...Update...

So, das unfug ist wieder im Lande. 
Irgendwie jedenfalls.

Und hat gleich eine Dummheit begangen...aber irgendwie hat sich diese Dummheit gar nicht mal SO doof angefühlt.

Das unfug hat jetzt nämlich doch wieder einen FF.de-Account:

Einmal hier entlang bitte! 

Aaaaber - wie auch im Profil erwähnt wird - dient dieser lediglich der Archivierung des unfug'schen Geschreibsels. 
Weil ich nämlich nicht nochmal erleben möchte, dass ein Festplattencrasch tausende von im Schweiße meines Angesichts getippten Wörter mitnimmt.
Und weil mein lieber kleiner Laptop, an dem ich so viele Stunden verbracht habe, inzwischen auch schon wieder röchelt, als läge er in den letzten Zügen...
Und ganz besonders und vor allem anderen, damit ein bisschen Ordung in das Geschriebene kommt - hier im Blog ist das doch, wie ich finde, reichlich unübersichtlich - hier ein Kapitel von Geschichte Bla, da eines von Story Schießmichtot und dann muss ich wieder zum vorherigen Kapitel verlinken und auf facebook vergess ich das Verlinken eh und das Teilen und es ist ein Elend...und überhaupt und sowieso...

Im Forum wird man mich allerdings nicht mehr sehen. keine Ahnung, ob sich da was geändert hat, seit ich damals abgehauen bin, ich will's auch gar nicht wissen... d.h., falls jemand von der geschätzten Leserschaft etwas in meine Richtung loswerden will (ihr wisst schon, Lobeshymnen, faule Eier und so...) - schreibt mir 'nen KOMMIIIIIIII!!!!EINSELF!Trololol... ähm, Entschuldigung... nein, Quatsch, schreibt mir hier oder drüben per PN...

Öhm, ja... das... wars für heute auch schon wieder. 

Ich wünsch euch was... flauschiges.

Donnerstag, 28. April 2016

Birds Of A Feather? - Drei Männer und ein ...

(A/N: Hierbei handelt es sich um ein kleines Zwischendurch-Spaß-Projekt, das sich quasi von selbst aus den diversen Absurditäten - Schnipseln entwickelt hat und sich selbst nicht sonderlich ernst nimmt. Insofern bitte ich eventuelle Logikfehler und sonstigen Blödsinn zu entschuldigen und hoffe einfach, ihr habt beim Lesen ähnlich Spaß wie ich beim Schreiben. Es wird ein wenig absurd, zumal hier jemand seine softe Seite entdeckt, von dem das nicht unbedingt zu erwarten gewesen wäre...)


Birds Of A Feather?

 

Gereon



Es gibt diese Abende, an denen man einfach nicht auf spontanen Besuch eingestellt ist.
Abende, an denen man sich selbst die erfreulichste Gesellschaft ist, begleitet lediglich von einer Flasche Wein, einem guten Buch und einem Feuer im Kamin, während draußen der Regen gegen die Scheiben prasselt und die Welt zu ertränken droht. 
Wenn es nichts zu regeln, nichts zu tun und vor allem niemanden zu retten gibt und man sich ganz dem süßen und wohlverdienten Nichtstun hingeben kann.

Und genau solch einen Abend habe ich vor mir.

Meine Lebensgefährtin weilt gerade in Frankreich, wo sie ihre Eltern besucht. 
Natürlich hat sie mir angeboten, mitzufahren, aber eine längere Auszeit lässt mein Beruf gerade nicht zu. Ich bin nicht besonders traurig darüber – man verstehe mich nicht falsch, ich habe absolut nichts gegen ihre Eltern und ich bin froh, dass sie ein so gutes Verhältnis zu ihnen hat. 
Sie sind allerdings nicht gerade glücklich mit ihrer Wahl, sie finden, ich sei zu alt für sie. Ich kann es ihnen nicht verübeln und widersprechen will ich ihnen schon mal gar nicht. Ich vermute, sie wissen immer noch nicht, wie alt ich wirklich bin und ich bin der Meinung, dass es besser so ist.

Ich habe es mir gerade gemütlich gemacht, als das schrille Klingeln die heimelige Stille brutal zerfetzt. Ich fasse es nicht. Ist es wirklich zu viel verlangt, dass ich einmal, nur einen verdammten Abend lang wirklich und wahrhaftig von den Unbilden der Welt da draußen verschon bleibe? Nicht nur einer Welt, um genau zu sein, ich bewege mich bekanntermaßen in gleich zweien und so ähnlich sie einander auch sein mögen, das ist anstrengend. Verflucht anstrengend manchmal.

Ich habe das jetzt einfach nicht gehört – derjenige, der da draußen steht, wird sich schon wieder fortbewegen, wenn er sich nur lange genug mit Ignoranz konfrontiert sieht – mit Ignoranz und dem unaufhörlich fallenden Regen. Niemand wird gern bis auf die Knochen durchnässt, wenn es sich vermeiden lässt, hab ich Recht? Irgendwann geht dann doch eigentlich jeder wieder...

Nein. 
Nicht jeder. 
Wer auch immer da draußen steht, klingelt inzwischen Sturm und ich sehe mich dann doch genötigt, mich von der Couch zu bewegen. Anscheinend ist es wirklich dringend.

 „Du?“

Da schiebt sich mein Gegenüber auch schon an mir vorbei in den Hausflur und tropft alles voll. Der Abend ist dann wohl gelaufen.

 „Wen hast du erwartet?“

„Um ehrlich zu sein, niemanden…und dich am allerwenigsten. Okay, wo brennt es diesmal?“
Mein Seufzer kommt aus tiefstem Herzen und Corvus starrt mich einigermaßen verwundert an.

„Nirgends. Wie kommst du denn darauf?“

„Erfahrungswerte. Für gewöhnlich erscheinst du lediglich dann bei mir, wenn sich gerade eine mittelschwere Katastrophe anbahnt.“

Das ist Fakt. Und einer der Gründe, warum ich keinen besonderen Wert darauf lege, dass Corvus mich besucht. Einer von ungefähr hundert Gründen, die aufzuzählen einen halben Tag in Anspruch nähme.

„Tz, warum ihr immer alle denkt, ich hätte nichts Besseres zu tun, als Chaos zu verbreiten…“
Corvus schüttelt ganz und gar verständnislos den Kopf, was dazu führt, dass es quasi auf mich herabregnet. Der Kerl ist so verdammt groß. „Ganz ehrlich, Doc, du willst ja auch gar nicht, dass ich dich besuche, oder?“

„Ich müsste lügen, wenn ich…“

„Nee, schon gut, bemüh dich nicht. Kann ich dein Bad benutzen?“

Das ist jetzt irgendwie bizarr. Weil es ganz und gar nicht dem entspricht, was ich erwartet habe. Eine Katastrophe, eine nahende Apokalypse oder ein einfaches Kapitalverbrechen – das sind Dinge, mit denen man rechnen muss, wenn der Rabenkönig auf einmal unangemeldet vor einem steht. Aber nicht… so was.

 „Was?“

„Ich hab kein warmes Wasser mehr.“ Corvus verzieht angewidert das Gesicht. „Um genau zu sein, hab ich überhaupt kein Wasser mehr. Und keinen Strom. Die Idioten von der Stadt haben alles abgestellt. Unglaublich, oder?“

Dass sich auch Trickster mit solch menschlich-weltlichen Problemen herumschlagen müssen, entlockt mir dann doch ein Grinsen.
„Ich vermute mal, du hast wieder eine von diesen Bruchbuden bezogen, die demnächst abgerissen wird? Sollte es dich da nicht eher wundern, dass du überhaupt noch so lange Strom hattest?“

Der Rabenkönig zuckt mit den Schultern und scheint einen Moment nachzudenken. „Hm, möglich. Meinst du, ich sollte umziehen?“

„Ja. Nach Nordamerika oder so.“

„Netter Versuch, Doc. Also, was ist? Kann ich jetzt in dein Bad?“

„Bringt es was, wenn ich nein sage?“

„Glaub nicht.“

Natürlich nicht. Was sich Corvus sich einmal in den Kopf gesetzt hat, hat auch so zu passieren. Und wenn er sich vorgenommen hat, bei mir zu duschen, dann wird er das auch tun. Egal, ob es mir passt oder nicht.

Natürlich passt es mir überhaupt nicht. Aber was soll ich machen, der Abend ist, wie erwähnt, sowieso im Eimer.

„Nur zu. Oben, zweite Tür rechts…“

„Cool. Danke, Mann.“ Er ist schon halb auf der Treppe – und hinterlässt sehr große, sehr nasse Fußspuren auf dem Boden -, als ihm noch etwas einfällt und er zu mir herunterbrüllt, dass ich zusammenzucke: „Sag mal, du hast ‚ne Badewanne, oder?“

„Was? Ja, sicher…“

„Geil.“ 
Er klingt sehr zufrieden und ich gehe einfach mal davon aus, dass dies eine längere Session wird. Hoffentlich erkenne ich mein Bad hinterher noch wieder, für seinen Ordnungssinn ist Corvus nämlich nicht gerade berühmt. Aber vermutlich sollte ich einfach froh sein, dass er sich nicht schon mitten im Flur ausgezogen hat – es gibt ein paar Dinge, die er gerne für sich behalten darf und die ich nicht sehen möchte. Ich hätte außerdem auch so gar keine Lust, für ihn das Dienstmädchen zu spielen und ihm die Klamotten hinterherzutragen.


Eine Weile später könnte mir der Zustand meines Badezimmers gleichgültiger nicht sein. Ich bin nämlich sehr betrunken und …anderweitig auch nicht mehr Herr meiner Sinne. Wie der verfluchte Kerl es geschafft hat, dass ich es für eine gute Idee halte, mit ihm zusammen nicht nur die Flasche Absinth zu leeren, die er aus den unergründlichen Tiefen seiner Manteltaschen hervorgezaubert hat, sondern mich auch noch auf die gefühlt fünfzehn Joints einzulassen, weiß ich nicht mehr. Eigentlich waren es nur zwei, aber geschenkt. Eine sonderlich gute Idee war das nicht, mir wird es morgen fürchterlich schlecht gehen, so viel ist jetzt schon klar.

Im Moment ist aber alles ausgesprochen rosig. Was unter anderem daran liegt, dass Corvus, wenn er nur will, ungeheuer witzig und charmant sein kann.
Ja.
Charmant.
Dieses mörderische, chaotische und vollkommen wahnsinnige Monster. 
Das sich gemütlich auf meiner Couch in der Bibliothek fläzt – immerhin zur Hälfte angezogen, wofür ich echt dankbar bin– und dabei aussieht, als sei es geradewegs einem dieser kitschig fotografierten Gothic-Mode-Kataloge entsprungen, aus denen meine Sprechstundenhilfe ihre Klamotten bestellt.
Inklusive frisch nachgezogenem Kajal, wo auch immer er den nun wieder hergezaubert hat.

Mich selber hat es irgendwann auf dem Teppich vor dem Kamin lang hingehauen und ich bin mir nicht sicher, ob ich ein ebenso malerisches Bild abgebe. Anscheinend schon, denn was Corvus urplötzlich und völlig ohne Zusammenhang von sich gibt, ist definitiv seine –natürlich völlig verquere- Vorstellung davon, wie man jemandem Komplimente macht.

"Sag mal, Doc, wo ist eigentlich dein Weibchen?"

"Katrin ist in Frankreich. Sie besucht ihre Eltern."

"Ah. Und warum bist du dann hier?"

"Keine Zeit..."

"Mhm. Und, läuft's bei euch?"

"Ja... Läuft." Mehr als Einzeiler sind in meinem Zustand gerade wirklich nicht drin.

"Cool. Aber mal ehrlich, du fühlst dich doch grad sicher ziemlich einsam, oder?"

Aber selbst in diesem Zustand ist mir völlig klar, worauf er mit dieser Frage hinauswill, weshalb ich mich lieber jeglicher Antwort enthalte. Selbst einer einzeiligen.

"Bock zu ficken, Doc?"

"Ach, Corvus... wie lange kennen wir uns jetzt?"

"Das is' keine Antwort. Aber wenn du's genau wissen willst... Äh... Keine Ahnung. 'N paar hundert Jahre vielleicht?"

"Mhm. Und wie oft hast du mich DAS in der Zeit schon gefragt?"

"Ja, pfff... Auch keine Ahnung. 'N paar hundert Mal wahrscheinlich..."

"Richtig. Und wie oft habe ich ja gesagt?"

"Noch nie. Darum frag ich ja dauernd. Komm schon, Doc, just for the pretty. Du weißt, ich nehm nur die Hübschen."

"Danke, das schmeichelt mir wirklich, aber... nein. Nein danke."

"Spießer! Ehrpusseliger, kleiner Spießer..."

Das kenne ich schon. 
Auf den Spruch läuft es nämlich jedes Mal hinaus, wenn der Trickster mir anbietet, mit ihm Sex zu haben. Und tatsächlich kann ich die Male schon nicht mehr zählen und erst recht kann ich nicht ausdrücken, wie froh ich bin, dass er es stets bei dem Angebot belassen hat. Er ist nämlich für gewöhnlich alles andere als zimperlich, wenn es darum geht, einem seinen Willen aufzuzwingen. 
Nicht mit physischer Gewalt, oh nein.
Zauberei, vermutlich.
Allerdings kommt der Fall, dass er die wirklich anwenden muss auch eher selten vor, denn soweit ich weiß, laufen da draußen schon immer genug Verrückte herum, die freiwillig mit ihm in die Kiste steigen.

Ich gehöre definitiv nicht dazu, so besoffen könnte ich gar nicht sein. Zum einen bin ich in einer glücklichen Beziehung und käme nie auf die Idee, Katrin zu betrügen. Und selbst in einsamen Zeiten wäre ausgerechnet Corvus so ziemlich der Letzte, mit dem ich freiwillig das Bett – oder welcher Ort auch immer gerade angesagt ist – teilen wollte.

Dafür kenne ich ihn zu gut und weiß nur zu genau, was er ist. Vor allem weiß ich, was er ganz eindeutig nicht ist – menschlich nämlich. Was sich in seinem Äußeren niederschlägt und das ist, was ich irgendwie grausig finde. Nicht, dass er hässlich wäre, im Gegenteil, auf seine hagere und bizarre Art ist er sogar ausgesprochen schön. 
Zu schön. 
Der Begriff des uncanny valley muss für Corvus erfunden worden sein. Er hat etwas von einer Puppe, von einem Wesen, das nur vorgibt, ein Mensch zu sein, aber eben keiner ist. 
Was ziemlich genau den Kern der Sache trifft. 
Man muss genau hinsehen, aber dann springt es einen an – besonders, wenn er wie jetzt, makellos und glänzend sauber vor einem sitzt mit seinem irren Lächeln und jedes einzelne blauschwarze Haar perfekt an seinem Platz liegt.

Dreckig und zerzaust finde ich es leichter, ihn anzusehen, dann wirkt er gleich menschlicher.

Und dann ist da noch die Sache mit den unkontrollierten Verwandlungen, die ihm gern in intimen Situationen passiert. Ich habe mit Leuten gesprochen, die das zweifelhafte Vergnügen dieses Erlebnisses hatten, und was sie beschrieben, war gelinde gesagt verstörend. Ich vermute, dass dieses … Ding, in das er sich verwandelt, seiner wahren Gestalt recht nahe kommt und das ist nichts, das ich je im Leben in Lebensgröße vor  - oder auf - mir sehen möchte…

„Was‘ los, Doc? Starrst du Löcher in die Luft?“

Anscheinend sinniere ich zu lange und habe zu lange nichts mehr gesagt. Ich schüttele den Kopf, nicht zu heftig, es dreht sich ohnehin schon alles um mich.

„Okay. Ich dachte schon, du musst gleich kotzen oder so.“

„Nee. Alles gut.“

„Schön. Aber ich muss…“

Das versetzt mich in Alarmbereitschaft. Das fehlte mir gerade noch, dass Corvus seinen Mageninhalt in meiner Bibliothek verteilt. Keine besonders angenehme Vorstellung, zumal ich nicht davon ausgehe, dass er willens und in der Lage ist, seinen Mist auch wieder wegzuputzen…

„…pissen.“

Er scheint genau erkannt zu haben, was mir durch den Kopf geht und scheint das ungeheuer lustig zu finden.

„Alter, hast du echt gedacht, ich zieh mir das teure Zeug rein, nur um es dir dann auf den Teppich zu reihern? Ne, du. Bleib liegen, ich find den Weg alleine…“

Damit stakst er an mir vorbei und lässt mich in seliger Benommenheit liegen. Ganz schön lange, um ehrlich zu sein, aber ich verbiete mir kategorisch jeden Gedanken daran, was Corvus gerade wirklich in meinem Bad treibt.
Es bleibt mir auch wenig anderes übrig, denn zum einen sind meine Gedanken eh derart vernebelt, dass sie mir schon wieder entfleuchen, noch bevor ich sie zu fassen bekomme, zum anderen… klingelt es.
An der Tür.
Unfassbar.
Aber irgendwie ist die Vorstellung von weiterem Besuch gar nicht mehr so abschreckend und so bemühe ich mich dann irgendwann doch nochmal zur Tür. Der schlimmstmögliche Fall ist ohnehin schon eingetreten, beziehungsweise hat sich in meinem Bad eingeschlossen und holt sich wahrscheinlich gerade auf die Vorstellung, mich irgendwann doch noch rumzukriegen, einen runter…
Zugegeben, ich bin wirklich sehr, sehr betrunken.
Und breit.
Eindeutig keine gute Kombination.

Ich würde ja gern sagen, dass der Anblick, dem ich mich beim Öffnen der Tür gegenübersehe, dazu angetan ist, mich schlagartig zu ernüchtern, aber das ist leider nicht der Fall.
Ich tippe erst einmal darauf, jetzt völlig im Delirium angekommen zu sein und Dinge zu sehen, die gar nicht da sind.

Aber dafür sieht das Mädchen, das da im Regen steht, dann doch zu real aus.
Die Kleine ist etwa fünf oder sechs Jahre alt und ziemlich dünn. Das glatte, schwarze Haar fällt ihr bis auf die Schultern, sie hat ein schmales Gesichtchen und starrt mich aus riesigen dunklen Augen an.

„Ist mein Daddy bei dir?“, fragt sie mich ernst, mit einer Stimme, die viel zu alt klingt für ein so kleines Kind.

Ich kann es nicht fassen und weiß nicht, was ich tun soll, also tu ich das einzige, das mir in diesem Moment einfallen will.
Und mir einigermaßen plausibel erscheint.

„Corvus!“, brülle ich über die Schulter ins Haus hinein, in der Hoffnung, der Rabenkönig möge inzwischen den Weg vom Klo zurückgefunden haben und mich hören. „Da will jemand mit dir reden!“



 Severin


Wäre er nicht brutal aus dem Schlaf gerissen worden und dementsprechend leicht grantig gestimmt, hätte er den sich bietenden Anblick sicher weitaus komischer gefunden.

Seit mindestens einer Stunde tigerte Corvus nun schon total verstört durch Gereons Küche, immer im Kreis, raufte sich die Haare und murmelte unablässig vor sich hin, wie absurd und vollkommen unmöglich das ganze doch war. Er machte dabei einen noch wahnsinnigeren Eindruck als gewöhnlich, und das, fand der Heilige, wollte etwas heißen. 
An Selbstbeherrschung mangelte es dem Trickster ohnehin, aber das hier wies eine ganz neue Qualität des Irrsinns auf, eine, die sogar Severin ein wenig furchteinflößend fand. 
Und er war so ziemlich der Einzige, der sich noch nie vor Corvus und dessen Launen gefürchtet hatte.

Der Hausherr selber hockte mit glasig starrem Blick auf einem Stuhl und war derart weggetreten, dass er es nicht einmal auf die Reihe bekam, die Zigarette, die er vor einer ganzen Weile schon aus der Schachtel gefingert hatte, auch noch anzuzünden. 
Gereon gehörte glasklar ins Bett, um seinen Rausch auszuschlafen.

Dabei war, so viel hatte Severin dem reichlich unzusammenhängenden Gefasel der beiden anderen Männer entnehmen können, eigentlich nichts wirklich Schreckliches geschehen.

Das kleine Mädchen war, kaum dass es Corvus‘ ansichtig geworden, auf diesen zugestürmt und hatte mit dem Ausruf: „Daddy!“ die Arme um ihn geworfen – oder vielmehr, eingedenk der immensen Größe des Tricksters, um dessen Beine. Corvus hatte völlig hilflos und mit einer irgendwo zwischen Abscheu und Verzweiflung anzusiedelnden Miene auf die Kleine herabgeblickt und nicht gewusst, was tun. Immerhin hatte das Kind dann wohl irgendwann genug, hatte sich von ihm gelöst und schließlich sehr ernsthaft bekundet, müde zu sein.

Und nun lag es friedlich schlafend zusammengerollt auf der Couch in der Bibliothek, ihr Kuscheltier – eine Rabenfigur, wie Severin amüsiert feststellte -  fest im Arm.

„Es ist einfach nicht möglich!“

„Nein?“

„Nein, verdammte Scheiße… Meine Art ist mit eurer nicht kompatibel. Ich kann dich zwar ficken, aber ich kann dir beim besten Willen kein Kind machen!“

„Da hast du Recht, das wäre in der Tat unmöglich. Ich bin mir nämlich ziemlich sicher, keine Frau zu sein…“

„Heilige Scheiße, Sevi, du weißt verdammt gut, wie ich das meine!“

„Ich weiß, dass mir deine Flucherei auf den Senkel geht.“ Der Heilige bemühte sich sehr um einen gleichmütigen Gesichtsausdruck. Es war nicht leicht. „Aber irgendeiner Frau hast du ein Kind gemacht. Vielleicht einer von deiner Art? Eine andere Trickster?“

„Nee, garantiert nicht. Dann sähe das Balg anders aus. Nicht so menschlich.“

„Red‘ nicht so. Die Kleine kann ja nun nichts dafür. Abgesehen davon sieht sie so menschlich nun auch nicht aus, sondernziemlich genau wie du. Guck sie dir doch mal an!“

„Soweit kommt es noch.“ Corvus war anscheinend noch nicht wirklich bereit, sich mit dem Gedanken abzufinden, dass er gerade urplötzlich Vater geworden war.

Ganz leise ließ sich auf einmal Gereon vernehmen: „Ach, komm, so schlimm ist es jetzt auch nicht. Eigentlich… ist sie doch ganz niedlich.“

„Dann behalt sie doch“, schnappte Corvus zurück. „Dein Weibchen wird sich bestimmt freuen.“

„Als ob. Katrin würde mir eher den Kopf abreißen. Sie kann mit Kindern nicht allzu viel anfangen. Leider.“

„Ach, und ich dachte immer, Menschenweibchen fahren voll auf Brutpflege ab, egal, ob’s die eigene ist oder die von anderen Leuten. Mutterinstinkt und so’n Scheiß…“

„Nö. Jeglicher Mutterinstinkt ist ausgerechnet an meiner Frau voll vorbei gelaufen. Ich hätte ja gern Kinder…“

„Ja“, schnitt Corvus Gereon das Wort ab. „das ist sehr schön für dich und sicher auch schade und so, aber davon weiß ich jetzt immer noch nicht, was ich mit dem Blag anstellen soll. Das übrigens garantiert nicht von mir ist.“

„Ach, Corvus, ich bitte dich…“

Der Rabenkönig machte einen ausgesprochen überforderten Eindruck - etwas, das eher selten vorkam. "Was soll ich denn nun machen? Soll ich sie vielleicht mit nachhause nehmen?"

"Um Himmels willen! In dieses runtergekommene Elendsquartier, in dem du haust? Das ist ganz sicher kein Ort für ein kleines Kind!"

"Warum wohnst du überhaupt da?", warf Gereon ein, mit inzwischen noch glasigerem Blick und dem ernsthaften Bemühen, nüchtern zu wirken, das sehr betrunkene Menschen zuweilen an den Tag legen.

"Oh, das kann ich dir sagen", schnappte der Heilige ärgerlich zurück. "Weil mein lieber Freund Corvus ein perverses Vergnügen daran findet, das Leid anderer für seine abartigen Vergnügungen auszunutzen. Seine sogenannten Mitbewohner sind allesamt Junkies, die soweit am Boden sind, dass sie sich jederzeit für einen Schuss von ihm durchnehmen lassen."

"So, wie du das sagst, klingt das ja mal richtig dreckig. Geil."

"Nein, das klingt widerlich. Und das ist auch widerlich."

"Und unhygienisch", murmelte Gereon schaudernd. "Was glaubst du, was du dir da alles holen kannst..."

"Was denn? Vogelgrippe vielleicht?" Der Rabenkönig bedachte Gereon mit einem Blick, als sei dieser gerade völlig irre geworden. 

Der Heilige tat es ihm gleich.
 "Himmel, der ist ja komplett durch. Was hast du ihm gegeben?"

"Weiß ich doch jetzt nicht mehr, aber auf jeden Fall war's wohl zu viel... Ey, Sevi, wieso nimmst du sie nicht? Du bist doch der Gute von uns…“

„Geht es dir noch gut? Ist das mein Kind?“

„Meins ist es auch nicht. Ich kann keine…“

„Davon, dass du es wiederholst, wird es auch nicht wahrer. Anscheinend kannst du wohl doch… oder sieht die Kleine vielleicht mir ähnlich? Oder Mister Volltrunken hier?“

„Nein“, gab Corvus sich dann doch – sehr kleinlaut – geschlagen. „Ich hab aber doch keine Ahnung von Kindern.“

Der Heilige zog die Augenbrauen hoch und maß seinen Freund mit einem schwer zu deutenden Blick. „Du hast Millionen Kinder, Stratege.“

„Mann Gottes, das ist doch was völlig anderes. Das da drinnen ist… ein Menschenkind. Verfluchte Scheiße nochmal…“

Der Rabenkönig ließ sich auf einen Stuhl sinken und barg das Gesicht in den Händen. Ein Bild der Verzweiflung, ziemlich glaubhaft dargestellt.

„Komm schon, Corvus, das kriegen wir hin. Irgendwie kriegen wir das hin“, redete der Heilige ihm gut zu und tätschelte beruhigend die knochige Schulter.

„Okay“, murmelte Corvus durch die Finger. „Kannst du damit weitermachen?“

„Was? Womit?“

„Mich anzufassen. Ich komme so selten in den Genuss…“

„Blödmann.“ Der Heilige zog die Hand weg, als hätte er sich die Finger verbrannt.

„Wenn ihr fertig seid mit Kuscheln, könnten wir uns vielleicht wieder der Frage widmen, was mit der Kleinen passieren soll…“, wagte Gereon einzuwerfen – was er sofort bereute, denn die beiden anderen blickten ihn mit einem Male sehr nachdenklich an. Und der Gedanke schien bei beiden derselbe zu sein.

Ihm wich auch noch das letzte bisschen Farbe aus dem Gesicht.

„Nein. Oh nein. Auf gar keinen… Das ist nicht euer Ernst.“

„Komm schon, Doc, bitte. Du hast doch ein ziemlich großes Gästezimmer… Warum denn nicht?“

„Weil ich, bei allem Mitgefühl mit der Kleinen, ihn…“, er wies anklagend auf den Rabenkönig, „nicht länger als unbedingt nötig im Haus haben will.“

„Ey, wer spricht denn von mir? Warum sollte ich hierbleiben wollen?“

Severin schlug sich mit der flachen Hand vor die Stirn, dass es laut klatschte. Das war doch wirklich nicht zu fassen…

„Sag mal, bist du blöd oder tust du nur so? Noch mal ganz langsam – weil das da drinnen deine Tochter ist. Herrschaftszeiten!“

„Das heißt aber doch nicht…“

„Doch, heißt es. Und jetzt hör auf mit dem Mist.“

„Äh, Heiligkeit…?“

„Bitte, Gereon. Nur für ein paar Tage, versprochen. Ich lasse mir was einfallen. Und du…“ Er wandte sich wieder an Corvus. „Du wirst deinen mageren Hintern hier nicht eher wegbewegen, bis ich dir was anderes sage. Verstanden?“

„Wow. Weißt du eigentlich, wie sexy du bist, wenn du so dominant wirst?“

„CORVUS!“

„Ist ja gut. Ich bleib ja bei dem Gör. Meine Fresse.“ Mehr würde an Zugeständnissen von Corvus‘ Seite aus nicht drin sein. Damit musste sich der Heilige für’s Erste zufrieden geben.

„Gut. Mitkommen“, befahl er und marschierte, die beiden anderen Männer im Schlepptau, in die Bibliothek, wo das kleine Mädchen nichts vom Aufruhr mitbekam, den es verursacht hatte. Es schlief und sah sehr süß und unschuldig dabei aus. Trotzdem war die Ähnlichkeit mit dem Rabenkönig geradezu unheimlich frappierend.

Der Heilige grinste. „Siehst du eigentlich auch so niedlich aus, wenn du denn mal schläfst?“

„Niedlich am Arsch. Und jetzt?“

„Jetzt wecken wir sie vorsichtig auf und verfrachten euch ins Gästezimmer.“

„Ah, toll. Und ich? Soll ich mich dazu legen und ihr vielleicht noch ein Schlafliedchen singen?“

„Ja, warum denn nicht? Raben sind doch Singvögel…“

„Fick dich, Doc. Fick dich einfach. Sonst tu ich’s.“

„Herrgott nochmal, Corvus, jetzt reiß dich zusammen und versuch zur Abwechslung mal ein bisschen weniger ordinär zu sein.“

Der Heilige war inzwischen ernsthaft gereizt. 

Er wollte das hier nicht, er wollte eigentlich gar nicht hier sein und vor allem wollte er nicht darüber nachdenken, wie es zu dieser skurrilen Situation gekommen war.

Das kleine Mädchen tat ihm leid, es war noch zu klein, um sich dessen bewusst zu sein, was es bedeutete, ausgerechnet Corvus zum Vater zu haben. 
Was es hieß, das Kind eines drogen-, sex- und vergnügungssüchtigen Tricksters zu sein, der nicht einmal willens – und auch nicht in der Lage - war, für sein eigenes Handeln Verantwortung zu tragen und darum ständig in Katastrophen jeglicher Größenordnung verwickelt war…
Sonderlich viel von Verantwortung schien die Mutter – wer war sie? - allerdings auch nicht zu halten – warum und wie war die Kleine ganz allein mitten in der Nacht hierhergekommen? 
Wie hatte sie ihren Vater überhaupt gefunden, woher gewusst, wo er sich aufhielt? 
Letzteres war natürlich dadurch zu erklären, dass auch Corvus immer sehr genau wusste, wo er jemanden fand, wenn er ihn suchte und man sich nicht vor ihm verstecken konnte… 

So viele ungeklärte Fragen, auf die sie in der Nacht allerdings sicher keine Antworten mehr bekommen würden.
Es würde ihnen nichts anderes übrigbleiben, als abzuwarten, ob der neue Tag sich vielleicht als aufschlussreicher erwies.